Kann man trotz Spirale schwanger werden, obwohl sie zu den sichersten Verhütungsmethoden gehört? Ja, eine Schwangerschaft ist möglich, kommt bei korrekt liegender Spirale jedoch selten vor. Sowohl die Hormonspirale als auch die Kupferspirale erreichen eine sehr hohe Verhütungssicherheit. Ein positiver Schwangerschaftstest, neue Unterleibsschmerzen oder plötzlich nicht mehr tastbare Rückholfäden sollten dennoch ernst genommen werden.
Unsicherheit entsteht vor allem dann, wenn sich der eigene Zyklus verändert. Unter einer Hormonspirale kann die Periode deutlich schwächer werden oder vollständig ausbleiben, während Schmierblutungen ebenfalls vorkommen. Solche Veränderungen sind für sich genommen kein Beweis für eine Schwangerschaft. Dieser Artikel zeigt, wie hoch das tatsächliche Risiko ist, wodurch eine Spirale versagen kann und bei welchen Anzeichen eine ärztliche Kontrolle sinnvoll ist.
Ist Spirale zu 100% sicher?
Nein. Keine Spirale bietet einen hundertprozentigen Schutz vor einer Schwangerschaft. Sie zählt allerdings zu den zuverlässigsten reversiblen Verhütungsmethoden. Sowohl Kupfer- als auch Hormonspiralen erreichen eine Wirksamkeit von mehr als 99 Prozent, wobei die genaue Versagensrate vom jeweiligen Modell und der untersuchten Population abhängt.
Häufig werden zur Einordnung Pearl-Index-Werte genannt. Je niedriger der Pearl-Index ausfällt, desto weniger Schwangerschaften treten während der Anwendung auf. In einer großen europäischen Untersuchung mit mehr als 58.000 Anwenderinnen lag der Pearl-Index bei einer Hormonspirale mit 52 Milligramm Levonorgestrel bei 0,06 und bei der untersuchten Kupferspirale bei 0,52. Die Werte zeigen zugleich, weshalb pauschale Angaben wie 0,1 bis 0,7 oder 0,3 bis 1,5 nur Orientierungswerte sein können und nicht auf jedes Modell gleichermaßen zutreffen.
Hormonspirale und Kupferspirale schützen auf unterschiedliche Weise
Die Hormonspirale gibt ein Gestagen direkt in der Gebärmutter ab. Es verdickt unter anderem den Schleim am Gebärmutterhals und erschwert Spermien damit den Weg. Die Kupferspirale setzt dagegen Kupferionen frei, die die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit der Spermien beeinträchtigen.
Die verbreitete Vorstellung, eine Spirale verhindere eine Schwangerschaft hauptsächlich dadurch, dass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnisten könne, beschreibt den heutigen medizinischen Kenntnisstand daher nicht korrekt.
Schwanger trotz Spirale: Verrutschen und Ausstoßen als mögliche Ursachen
Eine Spirale kann teilweise oder vollständig aus der Gebärmutter ausgestoßen werden. Für intrauterine Verhütungsmittel werden je nach Untersuchung und Situation Expulsionsraten von ungefähr 2 bis 10 Prozent angegeben. Eine unbemerkte vollständige Ausstoßung bedeutet, dass kein Verhütungsschutz durch das System mehr vorhanden ist.
Auch die Position innerhalb der Gebärmutter spielt eine Rolle. Eine Spirale, die bis in den Gebärmutterhals gerutscht ist, gilt als teilweise ausgestoßen und sollte ärztlich beurteilt werden. Bei einer lediglich tieferen Position innerhalb der Gebärmutter ist die Situation komplexer, weshalb nicht jede tiefer liegende Spirale automatisch entfernt werden muss. Die Lage und das weitere Vorgehen sollten dann individuell gynäkologisch beurteilt werden.
Rückholfäden plötzlich nicht mehr tastbar
Wer die Fäden sonst ertasten konnte und sie plötzlich nicht mehr findet, sollte bis zur Kontrolle zusätzlich verhüten und zeitnah eine Ärztin oder einen Frauenarzt kontaktieren. Fehlende Fäden bedeuten nicht automatisch, dass die Spirale verrutscht ist.
Sie können sich beispielsweise zurückgezogen haben, doch auch eine Lageveränderung oder unbemerkte Ausstoßung muss ausgeschlossen werden. Eine Untersuchung und gegebenenfalls ein Ultraschall können klären, wo die Spirale sitzt.
Kann man trotz Spirale schwanger werden und woran merkt man es?
Die möglichen Schwangerschaftsanzeichen unterscheiden sich grundsätzlich nicht von denen ohne Spirale. Brustspannen, Übelkeit, Müdigkeit, Veränderungen der Blutung oder ein Ziehen im Unterleib können auftreten. Das Problem liegt darin, dass manche dieser Beschwerden ebenso durch den Zyklus oder die Verhütungsmethode selbst entstehen können.
Vor allem unter einer Hormonspirale verliert die Periode als persönliches Warnsignal an Aussagekraft. Blutungen können mit der Zeit kürzer und schwächer werden oder vollständig ausbleiben.
Wer trotz Spirale schwanger geworden ist, muss deshalb nicht zwingend zuerst eine ausgebliebene Monatsblutung bemerken. Bei begründetem Verdacht bringt ein Schwangerschaftstest mehr Sicherheit als die Interpretation einzelner Symptome.
Schwangerschaft trotz Spirale: Eileiterschwangerschaft früh ausschließen
Hier ist eine wichtige Unterscheidung nötig. Eine Spirale erhöht nicht das absolute Risiko einer Eileiterschwangerschaft. Im Gegenteil, weil Schwangerschaften insgesamt so selten auftreten, ist auch das absolute Risiko einer Eileiterschwangerschaft unter einer Spirale sehr niedrig.
Tritt jedoch eine Schwangerschaft mit liegender Spirale ein, ist der relative Anteil von Eileiterschwangerschaften höher und die Lage der Schwangerschaft sollte frühzeitig abgeklärt werden.
Die Zahlen unterscheiden sich nach Spiralenart und Studie erheblich. In einer großen europäischen Untersuchung waren 5 von 13 Schwangerschaften unter einer Hormonspirale mit 52 Milligramm Levonorgestrel ektopisch, bei der Kupferspirale waren es 10 von 56 Schwangerschaften. Solche Prozentwerte dürfen nicht mit dem persönlichen Risiko aller Anwenderinnen verwechselt werden, denn Schwangerschaften mit korrekt verwendeter Spirale sind bereits selten.
Diese Beschwerden benötigen rasche medizinische Abklärung
Ein positiver Schwangerschaftstest bei liegender Spirale sollte zeitnah gynäkologisch abgeklärt werden. Dringend ist eine Untersuchung vor allem bei starken oder zunehmenden Unterleibsschmerzen, ungewöhnlich starken Blutungen oder anderen akuten Beschwerden. Mithilfe von Ultraschall und weiteren Untersuchungen lässt sich feststellen, ob die Schwangerschaft innerhalb der Gebärmutter liegt.
Schwanger geworden: Muss man die Spirale entfernen?
Wird eine Frau trotz Spirale schwanger und möchte die Schwangerschaft fortsetzen, hängt das weitere Vorgehen unter anderem von der Lage der Spirale und der Sichtbarkeit ihrer Rückholfäden ab. Sind die Fäden sichtbar oder kann das Verhütungsmittel sicher über den Gebärmutterhals erreicht werden, empfehlen medizinische Leitlinien in der Regel eine frühe Entfernung.
Das Entfernen der Spirale reduziert die erhöhten Risiken für Fehlgeburt, Infektion und Frühgeburt, auch wenn diese anschließend nicht vollständig auf das Niveau einer Schwangerschaft ohne liegende Spirale zurückgehen.
Sind die Rückholfäden nicht sichtbar, sollte nicht eigenständig versucht werden, die Spirale zu entfernen. Ein Ultraschall kann zeigen, wo sie sich befindet und wie die Schwangerschaft liegt. Das weitere Vorgehen wird anschließend individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem Gynäkologen besprochen.
Periode bleibt aus oder Spirale ist nicht tastbar: Was nun?
Das Ausbleiben der Periode kann unter einer Hormonspirale vollkommen normal sein. Nach einigen Monaten werden Blutungen häufig schwächer und bei manchen Anwenderinnen bleiben sie ganz aus. Ein Schwangerschaftstest ist dennoch sinnvoll, wenn sich zusätzlich ungewohnte Symptome entwickeln oder ein konkreter Anlass für Zweifel am Verhütungsschutz besteht.
Anders sieht es aus, wenn die Rückholfäden plötzlich nicht mehr ertastet werden können oder deutlich anders erscheinen als zuvor. Bis die Position überprüft wurde, sollte eine zusätzliche Verhütungsmethode verwendet werden. Besteht nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr der Verdacht, dass die Spirale unbemerkt ausgestoßen wurde, sollte zudem rasch medizinisch geklärt werden, ob eine Notfallverhütung erforderlich ist.
Das Foto vom Baby mit Spirale erzählt nicht die ganze Geschichte
Fotos von Neugeborenen mit einer Spirale in der Hand sorgen in sozialen Netzwerken regelmäßig für Aufmerksamkeit. Daraus entsteht leicht der Eindruck, das Baby habe die Spirale während der gesamten Schwangerschaft in der Hand gehalten.
Anatomisch ist das keine plausible Darstellung des Schwangerschaftsverlaufs, denn ein verbliebenes intrauterines Verhütungsmittel befindet sich nicht einfach gemeinsam mit dem Fötus frei innerhalb der Fruchtblase.
Die Bilder können dennoch auf realen Schwangerschaften beruhen, die trotz Spirale entstanden sind. Entscheidend ist die medizinische Botschaft hinter solchen seltenen Fällen. Ein positiver Schwangerschaftstest mit liegender Spirale gehört frühzeitig abgeklärt, statt aus spektakulären Einzelfällen Rückschlüsse auf die allgemeine Sicherheit dieses Verhütungsmittels zu ziehen.
Für wen ist die Kupferspirale nicht geeignet?
Die Kupferspirale ist eine langfristige hormonfreie Verhütungsmethode und kann je nach Modell fünf oder zehn Jahre wirken. Sie eignet sich jedoch nicht automatisch für jede Frau. Vor allem bereits starke oder schmerzhafte Monatsblutungen sollten vor dem Einsetzen angesprochen werden, weil Kupfer die Blutung und Menstruationsschmerzen verstärken kann.
Ob eine Kupferspirale medizinisch infrage kommt, sollte individuell beurteilt werden. Auch anatomische Veränderungen der Gebärmutter können relevant sein. Nullipare Frauen, die noch nicht entbunden haben, sind dagegen nicht grundsätzlich von einer Spirale ausgeschlossen.
Aktuelle Fachinformationen unterstützen die Verwendung intrauteriner Verhütung auch bei jungen und nulliparen Frauen, und neuere Daten bestätigen nicht pauschal die frühere Annahme, Nulliparität allein erhöhe das Expulsionsrisiko.
Welche Spirale bei Endometriose?
Bei Endometriose kann eine Levonorgestrel freisetzende Hormonspirale einen zusätzlichen therapeutischen Nutzen haben. Die europäische Fachgesellschaft ESHRE empfiehlt ein Levonorgestrel freisetzendes intrauterines System als eine Möglichkeit, endometriosebedingte Schmerzen zu reduzieren. Welche Hormonspirale geeignet ist, hängt jedoch von Beschwerden, Kinderwunsch, Verträglichkeit und weiteren medizinischen Faktoren ab.
Eine Kupferspirale bietet diesen hormonellen Effekt nicht. Zudem kann sie die Periode stärker, länger oder schmerzhafter machen, vor allem in den ersten Monaten. Da starke Menstruationsschmerzen zu den typischen Beschwerden einer Endometriose gehören, kann dieser Aspekt bei der individuellen Auswahl relevant sein.
Fazit: Kann man trotz Spirale schwanger werden?
Kann man trotz Spirale schwanger werden, lautet die klare medizinische Einordnung ja, allerdings selten. Hormonspirale und Kupferspirale gehören mit einer Wirksamkeit von mehr als 99 Prozent zu den zuverlässigsten reversiblen Verhütungsmethoden. Keine von ihnen bietet jedoch einen absoluten Schutz, und eine unbemerkte Ausstoßung kann zu einer ungeplanten Schwangerschaft führen.
Ein Schwangerschaftstest ist bei konkretem Verdacht sinnvoll, auch wenn die Periode unter einer Hormonspirale ohnehin ausbleibt. Bei einem positiven Test sollte zeitnah ärztlich kontrolliert werden, wo sich die Schwangerschaft befindet, da eine Eileiterschwangerschaft ausgeschlossen werden muss. Ebenso sollte eine plötzlich nicht mehr tastbare Spirale kontrolliert werden, bis dahin empfiehlt sich eine zusätzliche Verhütung.















